„Gott ist nahe denen, die zerbrochenen Herzens sind,
und hilft denen, die ein zerschlagenes Gemüt haben.“
(Psalm 16,11)
Trauer ist wie ein Fluss, in dem man nicht gegen den Strom schwimmen kann. Man wird von der Strömung erfasst, muss sich mitnehmen lassen. Tief im Innern fühlt man Trauer aufsteigen wie das Wasser einer Flut. Nichts scheint mehr sinnvoll: warum essen und trinken, warum leben und reden, wo doch dieser große Verlust so schmerzt? Und so reißt dieser Fluss der Trauer die oder den Trauernden mit sich. Es ist wie bei einer wirklichen Flussüberquerung – wer durch einen großen Strom
schwimmen muss, kann nie einfach geradewegs zum anderen Ufer gelangen, sondern wird von der Strömung flussabwärts mitgenommen. Genau so ist es auch für einen Menschen in Trauer. Man ändert sich, sieht erst nach einer gewissen Zeit ein neues Ufer. Und kann auch beim besten Willen nicht wieder zurück.
Kraft finden für den Neuanfang braucht Zeit. Aus diesem Grund gab und gibt es zum Teil heute noch ein Trauerjahr. Angehörige, Freunde und Nachbarn wussten von der außergewöhnlichen Situation, in der sich der Trauernde befindet. Auch wenn heute Zeit und Form der Trauer verschieden empfunden.
Gott ruft uns bei allem Schmerz zurück ins Leben. Er begleitet uns und trägt uns durch die Zeit der Trauer und den Schmerz hindurch. Gott will nicht, dass der Tod, auch nicht der Tod eines Anderen, Besitz von uns ergreift.
Die Erinnerung ist eine Kraft, die etwas gegen den Tod vermag. Eine Kraft, die nicht verloren gibt, was verloren scheint. Wir brauchen die Erinnerung an das Leben derer, die vor uns waren, um unser Leben reicher zu machen und anzubinden an unsere Vorfahren. Das Band der Liebe, das uns mit der oder dem Toten verbindet, kann auch der Tod nicht endgültig zerreißen. Das Wort „Trauerarbeit“ sagt es bereits: Trauern ist kein tatenloses Erleiden. Trauer ist zunächst eine seelische Tätigkeit ohne äußere Erkennbarkeit. Sie auch mit einer aktiven Handlung zu verbinden wirkt der Ohnmacht entgegen.
Bestimmte wiederkehrende Handlungen dienen dazu, die Erinnerung wachzuhalten und gerade dadurch zurück in die neue alte Welt zu finden:
Oft zeigen die Empfindungen, die sich bei diesen Tätigkeiten einstellen, wie weit der Trauerprozess vorangeschritten ist. Der Anblick eines Fotos des Verstorbenen, das man zu Anfang vielleicht nur mit tiefem Schmerz betrachten konnte, ruft eines Tages wieder schöne Erinnerungen wach. Lassen Sie diese langsamen Veränderungen zu, die sich meist einstellen, wenn Sie die Trauer aktiv gestalten.
Wir wissen, wo unsere Toten begraben sind. Gräber sind Zeichen für die Endlichkeit unseres Lebens. Doch gleichzeitig schenkt der christliche Glaube Hoffnung über diese Grenze hinaus. Die Bibel findet Bilder, mit denen beschrieben wird, was jenseits unseres Erkennens liegt: Unsere Namen sind „im Himmel geschrieben“. Den Verstorbenen übergeben wir in „Gottes Hände“ oder wir wissen das Kind, das fortan auf „Gottes Schoß“ sitzen darf, geborgen. Das erleichtert es uns, loszulassen.
Diese Frage kann nicht beantwortet werden. Denn die Trauer ist eine Macht, auf die wir nur bedingt Einfluss nehmen können. Der Zwiespalt zwischen Hoffnung und Schmerz kennzeichnet die Zeit der Trauer. Es gehört dazu, auch widersprüchliche Gefühle zu erleben. Inmitten des größten Schmerzes kann einen ganz unvermittelt Lebenslust packen. Umgekehrt kann nach längerem zeitlichen Abstand die Trauer wieder aufwallen. Besonders an bestimmten Jubiläen oder zu besonderen Zeiten im Jahr wie Weihnachten oder Geburtstagen wird einem der Verlust des geliebten Menschen wieder schmerzhaft bewusst.
Ihre Pfarrerin oder Ihr Pfarrer steht Ihnen auch in der Zeit der Trauer zur Seite. Scheuen Sie sich nicht, sie oder ihn anzusprechen.
Einmal im Jahr bietet unsere Kirchengemeinde Ihnen die Gelegenheit über Ihre Trauer (im Rahmen einer Gruppe von max. acht Personen) zu reden, neue Wege in eine erfüllte Zukunft zu suchen und zu probieren (
Trauerseminar).
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